PANKREAS (Bauchspeicheldrüse): 15-20 cm lange Drüse. Sie dient der Produktion von Verdauungssaft und Enzymen sowie Insulin und Glucagon.

 

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|  4: ORGANTRANSPLANTATION  |  4.3: Fachinfo  |  4.3.1: Organe  |  4.3.1.6: Nieren-Pankreas-Tx

Nieren-Pankreas-Transplantation senkt die Sterblichkeit

 

Es hat sich gezeigt, dass nach einer kombinierten Transplantation von Niere und Pankreas das Auftreten von diabetesbedingten Folgeerscheinungen und die Sterblichkeitsrate der Patienten sinken. Diese Patienten sind deutlich weniger gefährdet, in den kommenden vier Jahren zu sterben, als Patienten auf der Warteliste. Dies gilt aber nicht für alleinige Pankreastransplantationen bei Zuckerkranken mit intakter Nierenfunktion. Auch dann nicht, wenn die Bauchspeicheldrüse erst einige Zeit nach einer Niere transplantiert wird. In beiden Gruppen nimmt die Sterberate nach Transplantation im Vergleich zu Wartepatienten zu.
Darüber hinaus ist das Risiko eines erneuten Auftretens einer diabetischen Nephropathie bei gleichzeitiger Transplantation von Niere und Pankreas geringer als bei einer Transplantation einer Niere alleine.

 

Laut Forschern der National Institutes of Health (NIH) in Bethesda in Maryland, USA, sollten die Indikationen zur simultanen Pankreastransplantation / Nierentransplantation (PTx / NTx) oder der alleinigen PTx nach bereits erfolgter NTx daher sehr streng gestellt werden (siehe JAMA 290, 2003, 2817).

 

In der US-Untersuchung wurde die Sterblichkeit unter den 11 572 Wartepatienten und - davon 6595 - Organempfängern in mehreren Intervallen bis zu 4 Jahren verglichen. Die Forscher bildeten drei Indikations-Gruppen: Kombinierte Nieren-Pankreas-Tx, Pankreas-Tx nach Nieren-Tx sowie isolierte Übertragung der Bauchspeicheldrüse.

 

Die Patienten der letzten Gruppe hatten im Vergleich zu wartenden Patienten eine um den Faktor 1,6 erhöhte Sterberate in den nächsten vier Jahren, wenn sie ein Organ bekamen. Bei der Pankreas-Tx nach Nieren-Tx war die Sterblichkeitsrate noch 1,4-fach erhöht. Die Patienten mit der Indikation "kombinierte Nieren-Pankreastransplantation" waren auf der Warteliste mit der höchsten Sterblichkeit verbunden. Bei diesen Patienten sank die Sterblichkeitsrate innerhalb einer 4-Jahres-Frist nach OP auf 43 % verglichen mit Patienten auf der Warteliste. Als Begründung, warum nur Patienten, die Niere und Pankreas simultan erhielten, im Studienzeitraum einen Überlebensvorteil hatten vor den Wartenden wurden genannt: unerwünschte Effekte der Immunsuppression sowie die Schwierigkeit bei alleiniger Pankreasübertragung, Abstoßungen früh zu erkennen.

 

Dennoch darf die Schwere dieser kombinierten Transplantation nicht unterschätzt werden: Der Eingriff ist größer und es bestehen höhere Risiken, da der Gesundheitszustand der Patienten oft schlechter ist als bei Dialysepatienten ohne Diabetes.

 

Prof. Dr. Martin Büsing, Chefarzt der Chirurgischen Klinik am Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen, rät bei anstehender Entscheidung über eine isolierte Pankreas-Tx dringend dazu, eine Zweitmeinung einzuholen. Das könne der Fall sein, wenn Patienten wegen eines nicht kontrollierbaren Diabetes mellitus Hypoglykämien (Unterzuckerung) bekommen und ein hohes Risiko haben, lebensgefährlich zu stürzen oder plötzlich zu sterben.

 

In Deutschland werden Bauchspeicheldrüsen zwar meist kombiniert mit einer Niere verpflanzt, aber es gebe auch Pankreastransplantationen nach Nierentransplantationen, sagte Prof. Büsing, der die Pankreas-Tx in Deutschland mit etabliert hat. Von 198 Bauchspeicheldrüsen, die 2003 in Deutschland übertragen wurden, waren 25 sog. alleinige Pankreastransplantationen.

 

Die Indikation zur simultanen Pankreas-Nieren-Tx ist bei allen Typ I Diabetikern mit negativem C-Peptid und (prä-)terminaler Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance < 20 ml/min) gegeben, wenn keine Kontraindikation vorliegt.

 

Für den Sonderfall der alleinigen Pankreas-Tx nach bereits stattgefundener Nieren-Tx wird eine Kreatinin-Clearance von >40ml/min gefordert. Bei dieser Art der PTx fehlt die immunologische Identität der Transplantate. Vorteil ist jedoch, dass die Immunsuppression zum Zeitpunkt der PTx wegen der bereits stattgefundenen NTx schon über Monate oder Jahre verabreicht wird und somit kein zusätzlicher negativer Effekt der Immunsuppression auf die Nierenfunktion zu erwarten ist.

 

Die Indikation zur alleinigen Pankreas-Tx ist zu prüfen, wenn die Einstellung des Blutzuckers bei dem Betroffenen Typ I Diabetiker trotz aller Bemühungen so instabil ist, dass er sein Leben oder das Leben anderer Personen gefährdet (z. B. durch Verursachung von Unfällen im Straßenverkehr oder am Arbeitsplatz) oder die Lebensqualität durch die labile Stoffwechselsituation in inakzeptabler Weise eingeschränkt ist. Einige Zentren in den USA haben die Indikation für die alleinige PTx um Patienten mit früh auftretenden und rasch fortschreitenden diabetischen Komplikationen und ebenfalls daraus resultierender schlechter Lebensqualität erweitert (z.B. schwerste Polyneuropathie (= systemische entzündliche und degenerative Erkrankungen der peripheren Nerven) oder rasch fortschreitende Retinopathie (= nichtentzündliche Netzhauterkrankungen). Voraussetzung für die alleinige PTx ist allerdings, dass wegen der zu erwartenden nierentoxischen Nebenwirkungen der Immunsuppressiva die Kreatinin-Clearence >70-80ml/min betragen sollte.

 

Kontakt:
Prof. Dr. Martin Büsing
Chirurgische Klink Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen
Dorstener Str. 151
45657 Recklinghausen
Tel. (02361) 56 - 3101
Fax (02361) 56 - 3197
E-Mail: chirurgie@kk-recklinghausen.de

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