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"Leben durch den Tod" - Die zwei Seiten der Organtransplantation
Eine medizinethnologische Studie. Vera Kalitzkus
Rezension von Katharina Brellochs, Kevelaer
Jährlich werden in Deutschland etwa tausend Menschen im Zustand des Hirntodes Organe entnommen, annähernd viertausend todkranke Menschen bekommen Organe implantiert.
Organtransplantationen, die viele Menschenleben retten, erschüttern das menschliche Selbstverständnis dennoch in zwei Bereichen: die Wahrnehmung des eigenen Körpers und des Todes verändert sich. Die Transplantationsmedizin wirkt sich auf der einen Seite auf das Sterben eines Menschen auf der Intensivstation sowie das Abschiednehmen von ihm aus. Auf der anderen Seite stellt sie einen (wenn auch lebensrettenden) Eingriff in die Leiblichkeit und Identität der Organempfänger dar.
Die Autorin Dr. Vera Kalitzkus untersucht, wie Angehörige von Organspendern und Organempfänger dies erleben. Die zentralen Leitfragen der Studie sind:
1. Wie erleben Angehörige von „Organspendern“ die Konfrontation mit dem Hirntod und die Bitte um eine Organspende?
2. Wie verarbeiten Organempfänger die Integration eines transplantierten Organs von einem nun verstorbenen fremden Menschen, von dessen Tod sie ihr Leben abhängig wissen, in ihren Leib?
3. Welche Gedanken und Empfindungen haben direkt Betroffene von der jeweils anderen Seite von Organtransplantation?
Die Grundlage dieses Buches bildet eine breit angelegte empirische Studie zum Umgang mit Organtransplantationen aus der Perspektive von Angehörigen von Organspendern und
Organempfängern, mit denen Vera Kalitzkus mehrstündige qualitative Interviews durchführte. Daneben erforschte die Autorin den soziokulturellen Umgang mit Organtransplantation durch teilnehmende Beobachtung in einer Klinik, bei Selbsthilfegruppen sowie Sportwettkämpfen für Organtransplantierte.
Mit ihrem Buch leistet sie durch die Analyse dieser Erfahrungen einen wichtigen Beitrag zur differenzierten Betrachtung der individuellen und gesellschaftlichen Auswirkungen der
Behandlungsmethode Organtransplantation und bereichert damit auch die gesellschaftliche Auseinandersetzung.
Dr. Vera Kalitzkus hat sich mit dem Thema Organtransplantation intensiv beschäftigt. Sie studierte in Göttingen und Santa Barbara (USA) Ethnologie, vergleichende Religionswissenschaften und Interkulturelle Didaktik. Nach ihrer Promotion, die sich mit einer medizinethnologischen Studie zu Organtransplantation in Deutschland am Institut für Ethnologie der Universität Göttingen auseinandersetzte, war sie dort als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrbeauftragte tätig. Derzeit arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Gesellschaft zur Förderung medizinischer Kommunikation e.V. (GeMeKo) in Göttingen.
Kontakt:
Dr. Vera Kalitzkus
Beethovenstr. 13
37085 Göttingen
Tel.: (0551) 300 953
E-Mail: vkalitz@gwdg.de
"Leben durch den Tod" - Die zwei Seiten der Organtransplantation
Eine medizinethnologische Studie
Vera Kalitzkus
Campus Verlag, Frankfurt am Main, 2003
292 Seiten, € 29,80
ISBN 3-593-37269-X
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