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Wir weisen darauf hin, dass die auf den BDO-Sites publizierten Erfahrungsberichte nicht die Meinung bzw. den Standpunkt des BDO wiedergeben, sondern ganz persönliche Schilderungen individueller Erfahrungen sind.

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|  4: ORGANTRANSPLANTATION  |  4.4: Erfahrungsberichte

Reisebericht: Fahrradtour pro Organspende
 

Padborg (DK) - Kufstein (A)

1400 km in 20 Tagen

 


 

Engelbert Eising


Über mich

 

Mein Name ist Engelbert Eising. Ich bin 1967 in Rhede/Westf. geboren und 2006 zu meiner Freundin nach Halle/Saale gezogen. Ich habe eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker gemacht und später zum Fahrlehrer umgeschult, konnte aber meine Arbeit wegen einer polyzystischen Nierenerkrankung nicht fortsetzen. Diese Krankheit hatte eine 5 jährige Dialysepflicht zur Folge. Am 01.08.2004 erhielt ich eine Niere in der Uni-Klinik Münster. Beide Zystennieren, die jeweils ein Gewicht von 4 kg hatten, wurden entfernt. Eine meiner Schwestern, die kurz vor der Dialyse stand, ist leider an einem geplatzten Aneurysma (Gefäßwandschwäche) mit 37 Jahren gestorben. Auch bei mir wurde ein Gehirn-Aneurysma diagnostiziert, welches rechtzeitig in der Uni-Klinik Essen gecoilt wurde. Meine älteste Schwester benötigte eine neue Leber und konnte gerettet werden, weil im letzten Moment doch noch ein passendes Organ gefunden wurde.

 
Dank der neuen Niere hat sich meine Lebensqualität entscheidend verbessert. Meine Freundin habe ich noch während einer Reha nach meiner Transplantation kennen gelernt, da auch sie nierenkrank ist. Sie hat im April 2007 durch eine Lebendspende von Ihrer Mutter eine Niere bekommen.

 

Doch für heutige Dialysepatienten hat sich die Wartezeit auf ein neues Organ sehr verlängert. Durchschnittlich vergehen 6-8 Jahre, bis für einen Patienten auf der Warteliste ein geeignetes Organ verfügbar ist.

 
Meine Beweggründe für die „Fahrradtour pro Organspende“ quer durch Deutschland:

 

• Auf die mangelnde Organspendebereitschaft in Deutschland aufmerksam zu machen
• Durch meine Tour die Aufklärungsarbeit des BDO über Organspende zu unterstützen
• In den DJH, die mich auf meiner Tour durch kostenlose Unterkunft und Verpflegung unterstützten, mit Lehrern und Schülern in Kontakt treten, um dieses Thema dort anzusprechen.
• Meine eigene Gesundheit fördern (Blutdruck, Stoffwechsel und Knochendichte) und den Spaß am Fahrradfahren ausleben
• Die Freude, zeigen zu können, wie ungebunden man wieder sein kann, wenn man nicht mehr von der Dialyse abhängig ist.
• Anderen Transplantierten Mut zu machen
• Den Mitmenschen zeigen, dass ich als Transplantierter auch wieder zu einer sportlichen Leistung fähig bin
 
Planung und Vorbereitung der Tour

 

Fahrradfahren wird von Medizinern als besonders günstig für Transplantierte eingeschätzt. Die Gelenke der Beine und die Wirbelsäule, mit denen die meisten Patienten Probleme haben, werden entlastet und die Ausdauer wird schnell verbessert.

 
Ein Jahr nach meiner Ntx habe ich mir ein hochwertiges Fahrrad gekauft. Ich wollte sportlich aktiv sein und meine Kondition steigern, und ich habe schnell gefallen an der Bewegung auf dem Fahrrad gefunden. Fast jeden Tag fuhr ich ca. 20 km und wollte aber gern auch eine lange Tour über mehrere Tage machen.

Im Mai 2006 fuhr ich zusammen mit einem Freund 600 km von meinem damaligen Wohnort in NRW nach Halle zu meiner Freundin. Es hat alles sehr gut geklappt und wir hatten viel Spaß dabei.
Im Dezember 2007 begegnete ich Tillmann Waldthaler auf einer Outdor- Messe in Erfurt. Er hatte die letzten 30 Jahre mit dem Fahrrad über 400000 km gefahren. Seine Routen gingen von Skandinavien nach Afrika, des Weiteren die Pan-Amerika entlang von Alaska bis Patagonien und in Asien durch die Gobi usw.
Der mittlerweile grauhaarige Mann, der seit einigen Jahren mit seiner Frau in Queensland/Australien lebt, beeindruckte mich bei seinen Vorträgen sehr mit seinen Erlebnissen auf seinen Reisen.
Ich machte mir daher Gedanken, ob ich nicht mit Transplantierten eine längere Fahrradtour durch Deutschland unternehmen könnte. Noch im Dezember 2007 wollte ich mit den Vorbereitungen der Fahrradtour beginnen, war mir aber nicht sicher ob ich mir die Organisation zutraue. Deshalb sprach ich den Bund deutscher Organtranplantierte BDO e.V. an mir bei der Suche nach Mitfahrern und der Aufklärungsarbeit zu helfen. Ich hatte über einen Zeitungsaufruf der Fachzeitschrift „transplantation aktuell“ des BDO versucht transplantierte Mitfahrer zu gewinnen. Mein Aufruf in der Zeitung hatte bei zwei Herz-Transplantierten Interesse geweckt. Den einen erschien die Tour zu kurzfristig geplant und einen Start im April zu kalt und regnerisch. Der andere Interessent hatte sich leider eine Lungenentzündung zu gezogen, wäre aber bereit gewesen auf eigene kosten mitzufahren. Als klar war das ich die Tour als private Tour fahren würde schrieb ich Firmen an die mein Projekt unterstützen könnten. Ich hatte mir die Nord-Süd-Verbindung rausgesucht. Die Strecke der Tour richtete ich nach den Jugendherbergen aus weil ich bereits auf der ersten Tour gute Erfahrungen mit den Unterkünften gemacht hatte und bereits Mitglied war. Und weiterhin nach dem Kartenmaterial vom Esterbauerverlag mit denen ich die strecke bis ins kleinste Detail planen konnte. Die ersten Zusagen von Sponsoren wie Schwalbe Reifen und meinem Arbeitgeber machten mich optimistisch die Tour alleine auf die Beine stellen zu können. Schließlich war der Fahrradladen „Radlager“ zur Ausstattung und Inspektion meines Rades bereit. Aber ohne den Sponsoringvertrag von Novartis und den Übernachtungsgutscheinen des Deutschen Jugendherbergswerk DJH wäre meine Tour nicht möglich gewesen.
Wegen den befürchteten Kreislaufproblemen bei höheren Temperaturen erschien mir der mildere April geeignet. Und schon konnte es losgehen.
 
Meine Ausrüstung
 
• Radlerhose, Radlerunterhose
• ausreichend Wechselwäsche
• atmungsaktive Oberbekleidung
• Regenkleidung
• Radlerhandschuhe
• Fahrradhelm
• Radlerbrille
• Kartenmaterial
• Ausweise (Personalausweis usw.)
• Mobiltelefon
• Zahlungsmittel
• Erste Hilfe-Set
• Medikamente
• Waschzeug (leichtes Packmaß)
• DJH Mitgliedsausweis
• Packtaschen hinten
• Packtaschen vorne
• Lenkertasche mit Kartenfach
• Fahrradschloss
• Ersatzschlauch
• Trinkflaschen
• Luftpumpe
• Flickzeug
• Werkzeug
• Ersatzzüge für Bremse und Schaltung
• Taschenmesser
 



1. Tag Padborg - Flensburg 10 km 08.04.2008

 

Am Dienstag den 8.4.2008 reiste ich mit meiner Freundin mit dem Auto in der DJH Flensburg an. Zur Einstimmung auf meine Tour ließ ich mich nach Padborg bringen, um den Weg zurück nach Flensburg mit dem Fahrrad zurück zu legen.



 

Padborg, Grenze DK-D


Diese 10 km gingen mir zur Eingewöhnung leicht vom Fuß, noch ging es ja ohne Gepäck voran, weil dieses bereits in der Herberge verstaut war. Das Wetter war regnerisch und kalt, aber die Aussicht auf die Ostsee und der gut ausgebaute Ostseeradweg entschädigten die kalten Finger. Los ging es in Padborg aber erst mit dem Heerweg/Ochsenweg auf einem der ältesten Fernwege Nord- und Mitteleuropas. Viele Reisende benutzten diesen Weg, darunter Pilger, Fürsten und Bettler, Handwerker, Kaufleute und Viehtreiber mit ihren Ochsenherden sowie Könige mit ihren Heeren. Der Weg heißt in Dänemark Heerweg und ab der deutschen Grenze Ochsenweg.
Die Bezeichnung Heerweg hebt die militärische Geschichte der Strecke hervor. Der Heerweg diente immer wieder als Rück- bzw. Aufzugsstrecke für dänische, schwedische und deutsche Armeen. Die Bezeichnung Ochsenweg wiederum hebt die kaufmännische Geschichte des Fernweges hervor. Seine besondere Bedeutung als Handelsweg erlangte der Ochsenweg ab Mitte des 14. Jahrhunderts mit den großen Ochsentriften. Mit der Entstehung der mitteleuropäischen Handelsstädte wuchs der Fleischbedarf stetig, der konnte jedoch längst nicht mehr über die regionale Versorgung gedeckt werden. Auf diese Weise entstand ein reger Tierhandel vor allen Dingen aus Dänemark, darunter hauptsächlich Ochsen, aber auch Gänse, Schweine, Pferde, Ziegen und Schafe.
Die beiden Radfernwege orientieren sich an dem einstigen Verlauf des Landfernweges. Zahlreiche wiederentdeckte Stätten verschiedenster Jahrhunderte und geschichtsträchtige Orte werden durch den Radfernweg verbunden und in Deutschland von sogenannten Ochsenweg-Hörnern markiert.
Ab der Grenze in Krusa entschied ich mich aber dem Verlauf des Ostseeradweges zu folgen, um eine Brise Ostseeluft zu schnuppern, aber der Ochsenweg wird mich von Flensburg weiter bis nach Wedel begleiten.

 


 

Hörner am Ochsenweg

 
Zurück in Flensburg ging es daran die Stadt zu erkunden. Natürlich startete unser kleiner Rundgang am Hafen und die Hafenpromenade führte uns direkt zum Schifffahrtsmuseum.




Flensburg, Schifffahrtsmuseum

 

Im Untergeschoss des Schifffahrtsmuseums befindet sich das einzige Rum-Museum Deutschlands. Seit 1993 erfährt der Besucher Interessantes über die Geschichte des "Flensburger Rum".
Die Erfolgsgeschichte des Flensburger Rums ist untrennbar mit den im Jahr 1755 einsetzenden Westindienfahrten verbunden. Die "Neptunus" brach damals als erstes Flensburger Segelschiff zu den dänischen Kolonien in der Karibik auf. Der Handel mit Kolonialwaren florierte. Die Einfuhr von Zucker, Kaffee, Tee, Tabak, Baumwolle und Edelhölzern sorgte für wirtschaftlichen Aufschwung in der Flensburger Region.
Aus der Melasse, einem Abfallprodukt bei der Zuckerproduktion, wird der Rum gebrannt. In Fässer abgefüllt ging der hocharomatische Stoff dann auf dem Seeweg nach Flensburg. Hier wurde er nach geheim gehaltenen Rezepturen veredelt und auf Trinkstärke gebracht. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entstanden in Flensburg zahlreiche Rumhandelshäuser, die Stadt galt als Rum-Metropole. Heute existiert bis auf das kleine Rumhaus Johannsen in der Marienstraße keines der Häuser mehr.
Mit der im Museum ausliegenden kleinen Stadtkarte machten wir einen historischen Stadtrundgang und ließen den tag mit einem essen ausklingen. Wir nächtigten beide gut in der fahrradfreundlichen DJH (gesicherter Radkeller).


 

Flensburg, Hafen

 
2. Tag Flensburg - Schleswig 44 km 09.04.2008

 

Wir haben in der DJH gut geschlafen und gut gefrühstückt. wir sahen uns noch in der Nähe von Padborg das Frøslevlager an.

 


 

Hauptwachturm Froselevlejrens Museum

 

Mittags, wieder in Flensburg, verabschiedete ich mich schließlich von meiner Freundin, schnallte mein Gepäck auf das Fahrrad und fuhr Richtung Schleswig. Die Fahrt war angenehm mit leichtem Gegenwind und trocken, und ich gewöhnte mich an das Fahrverhalten des Rades mit schwerem Gepäck. Ich fuhr mit mäßigem Tempo und mein Pulsmesser zeigte 130 HF(1/min). jetzt folgte ich der Westroute des Ochsenweges, der gut ausgeschildert ist. Nur ab und zu zwang mich die Beschaffenheit des Weges, befestigte Straßen zu fahren.


Die DJH in Schleswig war leicht zu finden und beherbergte noch 2 Personen in selben Zimmer. Ich nutzte den Abend, um in einem Internet-Cafe mein Reisetagebuch zu führen.

 


 

Schleswig, Hafen

 
3. Tag Schleswig - Itzehoe 95 km 10.04.2008

 

Die 3-Mann Belegung erwies sich nicht als schlecht. Mit den Zimmerkollegen, einer ist Zeitsoldat aus Köln und nahm in Schleswig an einem Seminar teil und der andere ist Engländer und suchte nach Gräbern der Trichtervölker, Hunnen und Kelten, führte ich ein angeregtes Gespräch über die positiven Erfahrungen, die sie mit Nierenkranken gemacht hatten, und wir redeten über die Gesundheitssysteme in Großbritannien und Deutschland. Meine längste geplante Etappe stand mir bevor, um zur gebuchten DJH in Itzehoe zu gelangen. Die Strecke war fast durchgehend flach und ich konnte schnell Kilometer machen. Das Wetter war sonnig wie am Vortag.


Es ging zum Danewerk, am Militärflughafen Jagel entlang über Kropp nach Rendsburg.
 


 

Danewerk

 

4. Tag Itzehoe - Hamburg 95 km 11.04.2008

 

Das Einzelzimmer in der DJH Itzehoe war gut, nur mein mitgeführtes Radio hatte für den kommenden Tag wieder Regen angekündigt.
Bei meiner Abreise hatte ich das Gepäckgummi in das hintere Ritzel bekommen. Das Fahrrad war völlig schaltunfähig. Eine Pilgerin, die auch in der DJH Itzehoe übernachtet hatte, half mir bei meinem Versuch, das Hinterrad wieder flott zu bekommen. Das hätte auf jeden Fall vermieden werden können und hatte mich sehr über mich geärgert. Die aufgesuchte Fahrradwerkstatt beseitigte kostenlos das Gummi aus den Ritzeln.


Auf meiner Reise nach Hamburg hatte ich noch ein Treffen mit Bernd Hüchtemann (BDO e.V. Regionalleiter Hamburg) in Wedel vereinbart. Ich hatte dazu ca. 50 km zu fahren und wollte dort termingerecht erscheinen. Das Ehepaar Hüchtemann begrüßte mich mit Kaffee und Kuchen. Wir unterhielten uns über die Aufklärungsarbeit zur Organspende.

Ferner schaute ich mir in Wedel noch die Begrüssungsanlage der Elbe-Schifffahrt an. Ich fand dort Anschluss an den Elbe- Radweg nach Hamburg.

 

 

 

v.l.n.r.: Bernd Hüchtemann, Engelbert Eising

 


  Willkomm-Höft in Wedel

  
Die Fahrt nach Hamburg war sehr anstrengend und es regnete immer mehr. Es ging an den schönen Häusern von Blankenese vorbei bis zur DJH Hamburg am Stintfang. Leider hatte ich mich mit meiner Unterkunft geirrt und ich musste noch ca.20 km weiter fahren zur DJH Hamburg Rennbahnstrasse. So "durfte" ich durch die von Menschen überfüllte Reeperbahn und den Rathausplatz quer durch die Stadt und strömenden Regen fahren. Zu allem Übel tat mir mein Knie weh. Gegen 20.30 Uhr erreichte ich erst mein Ziel in der DJH Hamburg Rennbahnstrasse. Ich war sehr niedergeschlagen. So hatte ich es mir nicht gedacht Ein Zimmernachbar in der DJH gab mir als Betthupferl eine Flasche Bier aus.

 

4. Tag Hamburg - Lauenburg 63 km 12.04.2008

 

In der DJH Hamburg habe ich wieder eine Mehrbettbelegung genutzt. Die zwei Zimmerkollegen waren sehr rücksichtsvoll, als sie von Ihrer nächtlichen Tour wiederkamen. Ich habe sehr gut geschlafen.

Nach dem Frühstück machte ich mich auf den Weg durch den Hamburger Hafen nach Moorfleet Richtung Elbe. Etwas Rückenwind, trotzdem hatte ich wie gestern Knieprobleme. Es war ein sehr schöner Radweg in Fahrtrichtung Geesthacht auf der rechten Seite der Elbe. Dadurch ersparte ich mir den 60m hohen Berg vor Lauenburg. Diese Stadt hat zwei DJH, natürlich war ich zuerst an der Falschen. Die Zweite war auf dem Berg am Sportplatz. In der nunmehr richtigen Herberge erwartete ich meine Freundin, die seit meiner Abreise bei einer Freundin in der Nähe von Lauenburg war. Wir sahen uns die Altstadt an und aßen Abendbrot.
 
5. Tag Lauenburg - Uelzen 65 km 13.04.2008
 
Ich habe sehr gut gefrühstückt in der DJH Lauenburg.
In Lauenburg hatte ich den Elbe-Radweg verlassen und schlug ohne Kartenmaterial mit dem Elbe-Seiten-Kanal eine südliche Richtung ein.
Bei Scharnebeck ist ein Schiff mit den Namen Trave in das Schiffshebewerk eingefahren. Dieses hatte ich bis Uelzen viermal überholt, da es nur ca. 12 km/h fahren konnte. Ich hatte sehr gutes Wetter und mittelstarken Gegenwind. Erst kurz vor Uelzen hatte es angefangen zu regnen. Der Puls war gut, aber leichte Knieschmerzen begleiteten mich weiterhin. In der DJH Uelzen war die Anmeldung nicht besetzt. Ich hatte schon Bedenken, das keiner am Sonntag dort ist, aber ich war ja angemeldet. Bei meinem Anruf in der DJH meldete sich doch jemand und ließ mich ein. Ich war mal wieder der einzige Gast. Aus organisatorischen Gründen hatte ich es vorgezogen, bei der DJH Hankesbüttel abzusagen, um für den morgigen Tag eine längere Fahrstrecke einzuplanen.

 

6. Tag Uelzen - Oebisfelde 89 km 14.04.2008
 
Die Suche nach einer geeigneten Auffahrt auf den Elbe-Seitenkanal-Damm stellte sich schwierig dar, denn das Fahrrad musste eine Böschung hochgeschoben werden. Ich fuhr wie am Vortag den Elbe-Seitenkanal entlang bis nach Bodenteich, um in Diesdorf den Deutsch-Deutschen-Radweg aufzusuchen.
Bis Wittingen hatte ich einen alten Kolonnenweg befahren, aber dann wegen des Regens und der schlechten Fahrbahnbeschaffenheit auf die B 244 nach Grafhorst gewechselt. Dort konnte ich nicht mit meinem Fahrrad im Schlamm versinken, musste aber zu meinem Nachteil ohne einen Fahrradweg an der B 244 auskommen.
Das letzte Stück bis Oebisfelde bin ich über Breitenrode gefahren. Direkt am Deutsch-Deutschen-Radweg hatte ich eine sehr schöne und günstige Pension gefunden, die sich speziell auf Radfahrer eingestellt hat. Die Familie Peters empfing mich sehr herzlich.

 
7. Tag Oebisfelde - Schöningen 67 km 15.04.2008
 
Die Übernachtung in der Pension Peters hat mir sehr gut gefallen.
Frau Peters hat sehr positiv auf meiner Aktion reagiert und sie hatte gleich mehrere Interessenten in ihrem Umfeld, die gerne einige Organspendeausweise haben wollten. Selbstverständlich hinterlegte ich dort die gewünschten Organspendeausweise.
 


 

Frau Peters/Oebisfelde

 
Den Fahrradweg wollte ich nach wie vor wegen des schlechten Wetters nicht nutzen und somit fuhr ich über die Dörfer. Meisten hatte ich einen Wegweiser in einer Richtung und bei der nächsten Gabelung fehlte diese Hilfe komplett. Beim Nachfragen bei den Anwohnern habe ich nur komplizierte Anweisungen bekommen, die mir Abkürzungen versprachen , aber meistens fand ich mich dann bis zur Kette im Dreck wieder. Einen Tagebau vor Schöningen musste ich ebenfalls umfahren. Diese Umwege kosteten mich bestimmt ca.15 km Umweg. Die DJH Schöningen befindet sich außerhalb der Stadt auf eine Anhöhe - noch ein weiterer Kraftakt. Ich bin in der DJH sehr nett aufgenommen worden. Vom Abendessen wurde ich sehr positiv überrascht, weil ich Schweinemedaillons in Pfeffersoße und eine ganze Gemüseplatte gereicht bekam. Ein Teil meiner mitgeführten Organspendeausweise durfte ich in einem Informationsständer hinterlegen. Der Herbergsvater hatte ein offenes Ohr für mein Anliegen.
 


 

Schöningen/Elm

 


 

Ständer in der DJH mit Infomaterial zur Organspende

 
8. Tag Schöningen - Seesen 74 km 16.04.2008
 
In Schöningen wurde für mich als einzigem Gast das Frühstück angerichtet. Die Köchin hatte sich zur mir gesetzt und wir hatten nette Gespräche. Sie hat einen nierentransplantierten Neffen und selbst auch einen Organspendeausweis.


Auf der B 82 in Richtung Schöppenstedt habe ich dann meine Fahrt fortgesetzt. Hier traf ich  eineb "Backpacker", mir dem ich mich eine Zeit lang am Straßenrand über sein Vorhaben unterhielt. Er ist der klassische Aussteiger und nimmt sich eine berufliche Auszeit um bis zum Nordkap zu laufen. Steffen Sandow aus Kaufbeuren ist bereits seit 26 Tagen auf der Reise und möchte Mitte August diese Tour beenden. Zu den bereits ca. 500 gelaufenen Kilometern wird er bis dahin noch zum Kap ca. 2500 km laufen müssen. Sein Rucksack hat ein Gewicht von 27 kg.

 


 

Steffen Sandow auf dem Weg zum Nordkap

 
Ich radelte weiter die B 82 entlang Richtung Goslar und war immer noch beeindruckt von Steffen Sandow, der alleine zum Nordkap lief. Ich hatte die Nord-West-Harz Umfahrung gewählt, da ich dem Deutsch-Deutschen-Radweg nicht folgen wollte. Diese Route wäre weiter über den Harz verlaufen und ich hätte diesen Anstieg aus belastungstechnischen Gründen nicht geschafft. Daher sagte ich meine Anmeldung bei der DJH Goslar ab, um dafür weiter nach Seesen zu fahren, um meinen Bruder zu besuchen.
Gegen 16.00 Uhr traf ich bei meinem Bruder ein und habe ihn überrascht, als er von der Arbeit kam.
 


 

in Seesen

 
9. Tag Seesen Pause 17.04.2008

 

Dadurch, dass ich zwei Übernachtungsstationen der DJH ausließ, konnte ich bei meinem Bruder und seiner Familie einen Tag länger bleiben, weil meine nächste Übernachtung erst am 18.04.2008 in der DJH Bad Sachsa gebucht war. Die Lebensgefährtin meines Bruders hat mir die Wäsche gewaschen und ich habe mit ihnen und den zwei Kindern zu Abend gegessen. Justin hat mir sein Zimmer zur Verfügung gestellt und hat bei Alina auf dem Schlafsofa geschlafen. Ein Tag Pause hat mir sehr gut getan.
 
10. Tag Seesen - Bad Sachsa 57 km 18.04.2008
 
Heute morgen hat mir Manu das Frühstück serviert und ich habe mich anschließend auf den Weg gemacht. weiter nach Bad Sachsa. Die Schnellstraße B243 durfte ich mit dem Fahrrad nicht befahren und musste somit auf Nebenstrecken ausweichen. Es waren kaum Radwege vorhanden. Das letzte Stück nach Bad Sachsa war besonders gefährlich, da ich an steilen Anstiegen immer langsamer wurde. Der Lenker wackelte, aber dennoch fuhr der nachfolgende Verkehr mit nur sehr geringen Sicherheitsabstand an mir vorbei.
 


 

Haus in Osterode

 

Der Himmel war stark bewölkt, es hat aber nicht geregnet. In der DJH Bad Sachsa angekommen, war ich der einzige Gast, denn es war Freitag und die Schulklassen längst wieder zu Hause.

 


 

Herbergsvater und Mitarbeiterin in der DJH Bad Sachsa

 

Der Herbergsvater war sehr nett und hatte ein offenes Ohr für mein Projekt. Er wollte sich selber bemühen, das Thema der geringen Organspendebereitschaft den Lehrern und deren Klassen mit meinem Material näher zu bringen, um das Thema ggf. auch im Unterricht einzubringen. Meine Freundin hat mich mit ihrem Besuch in Bad Sachsa überrascht. Dazu hatte sie eine Autofahrt von ca. 120 km auf sich genommen. Ich habe mich sehr darüber gefreut! In Bad Sachsa haben wir gemeinsam bei einem Griechen zu Abend gegessen. Es war ein sehr schöner Abend, aber leider mussten wir uns dann wieder verabschieden. Ich kehrte zurück in die DJH, in ein Zimmer mit sehr guter Ausstattung und einem sehr sauberen und hochwertigen Badezimmer.
 
11. Tag Bad Sachsa - Mühlhausen 60 km 19.04.2008
 
Ich hatte sehr gut geschlafen und gefrühstückt. Bin bereits kurz vor 9.00 Uhr wieder losgeradelt. Viele Berge, Kälte und teilweise Gegenwind machten die Tour zu einer Herausforderung. Die Fahrt ging über eine Landstraße, die recht verkehrsarm war. Bei Breitenworbis fuhr ich über die A38 hinweg. Bei Niederorschel habe ich bei einem Bäcker Pause gemacht und mich dort nach dem weiteren Verlauf meines beschriebenen Weges erkundigt. Dort warnte mich schon mal vor demn Berg, den ich zu bezwingen hatte.
Das kleine Gebirge heißt "Hainleite" und ich musste öfters anhalten, um meinen Puls wieder herunter zu bekommen. Ein Radrennfahrer, der diesen Berg offenbar zu Trainingszwecken genutzt hat, überfuhr diesen gleich viermal in gleicher Zeit, was mir nicht viel aus machte, denn ich war stolz auf meine Leistung mit dem schweren Gepäck.

Mühlhausen erreichte ich ca. gegen 14.00 Uhr. Die DJH öffnete aber erst wieder um 16.00 Uhr. Deswegen fuhr ich bergab in die Altstadt und setzte mich in einen Biergarten, trank Kaffee und machte Eintragungen in meinen MDA. Ich saß dort alleine. Den anderen war es offenbar zu kalt.
Mühlhausen hat eine sehr schöne historische Altstadt. Um 16.00 Uhr hatte ich mich in der DJH angemeldet. Ich nutzte die verbliebene Zeit, um Erkundungen in der Altstadt zu machen und besuchte unter anderem noch ein Internet-Cafe, um meine aktuelle Position auf meiner Reise einzustellen. An diesem Samstag war kaum Betrieb in der DJH Mühlhausen und ich konnte gut schlafen.


 

Mühlhausen Altstadt

 
12. Tag Mühlhausen - Bad Salzungen 63 km 20.04.2008

 
Die Waschmöglichkeit und die Verpflegung am Morgen in der DJH Mühlhausen waren sehr bescheiden. Ich machte mich auf den Weg bei Regen und fuhr am Nationalpark Hainich vorbei bis nach Mihla und weiter nach Eisenach. Ich habe in Eisenach zu Mittag gegessen und erneut Kräfte gesammelt, um eine Anhöhe des Thüringer Waldes hoch zufahren.
 

 

Wartburg/Eisenach

 


 

Thüringer Wald

 
Die Hohe Sonne ist 435 m hoch. Ich benötigte für diesen Anstieg viel Zeit, weil ich immer wieder Anhalten musste, um meinen Puls zu regulieren. Auf dem Berg sind eine Raststätte und ein großer Parkplatz. Man kann auch dort den Rennsteig laufen. Meine Leistungen als Transplantierter, das Fahrrad mit 25 kg Gepäck über den Berg zu bringen, blieben unentdeckt. Ich bin mit rasender Geschwindigkeit dann die andere Seite herunter gefahren. Die B19 war zwar stark befahren, aber durch das Sonntagsfahrverbot fuhren zumindest keine LKWs auf der Straße.
 
Ich hatte noch weitere Berge zu fahren, aber diese waren eher unspektakulär.

Die DJH Bad Salzungen habe ich durch mehrmaliges Fragen gefunden, denn es waren keine Hinweistafeln vorhanden. Die Herbergsmutter machte einen sehr netten Eindruck. Sie hatte mir ein Abendessen angeboten. Die Unterkunfte der DJH sind interessant, denn sie besthen aus mehreren kleine Häuschen auf der Anlage. Jedes Häuschen hat 3 Zimmer, jedes mit Dusche und WC. Mein Fahrrad durfte ich auch mit ins Haus nehmen. Ich habe für morgen eine Fahrradkarte bekommen. Dann kann ich den Werra-Radweg stromaufwärts bis Hildburghausen fahren. Endlich auf einem sicheren Weg, es sei denn, ich fahre mit dem Fahrrad in die Werra.
 


 

Gradierwerk Bad Salzungen

 


 

auf dem Werra-Radweg

 


 

Schloss Elisabethenburg Meiningen

 
13. Tag Bad Salzungen - Themar 74 km 21.04.2008
 
Ich habe sehr gut geschlafen, geduscht und bin zum Haupthaus gelaufen, wo die Herbergsmutter ein leckeres Frühstück servierte und im Gegenzug Organspendeausweise von mir bekam, um sie weiter zu reichen.
In Bad Salzungen hatte ich mir das Gradierwerk angesehen und bin dann weiter den Werra - Fahrradweg gefahren. Er lässt sich sehr gut fahren, denn es gibt, wenn überhaupt, nur geringe Steigungen. Jetzt machte mir das linke Knie Probleme und schwoll ein wenig an. Das Schloss in Meiningen fotografierte ich und habe mir in der Nähe ein Eis gegönnt. Das Wetter war heute schön, nur der Ostwind störte ein wenig. Morgen nach Coburg schlage ich wieder eine südliche Route ein. Die Ortschaften am Werra-Radweg haben sich voll auf den Fahrradtourismus eingestellt und es wird viel Werbung gemacht, um den einen oder anderen Fahrradfahrer anzulocken.
Ich hatte meine Unterkunft in Themar gefunden. Ein gemütliches Gasthaus. Ich habe die Wetteraussichten für Bayern im Fernseher gesehen, die gar nicht mal so gut sind.
Zum Abendessen hatte ich mich ins Gasthaus gesetzt und später dort mit zwei Monteuren noch ein Bier getrunken. Die Beiden kamen aus dem Vogtland und bauten deutschlandweit Biogas-Anlagen.
 


 

Kloster Veßra

 

14. Tag Themar - Coburg 54 km 22.04.2008
 
Das Frühstück wurde mir ins Zimmer serviert. Ich hatte gleich Regensachen angezogen und fuhr weiter auf den Werra-Radweg bis Hildburghausen, um dann weiter in südlicher Richtung über Bad Rodach nach Coburg zu fahren. Es wurde weniger hügelig und es hörte auch auf zu regnen. Ich war bereits schon um 15.00 Uhr in der DJH Coburg, konnte mich aber erst um 17.00 Uhr anmelden. Die DJH Coburg ist ein romantischen Schloss der einst berühmten Sängerin Rosine Stoltz. Heute regieren die jugendlichen Gäste die Vestestadt.

 

 

Coburg, Schloss und DJH

 


 

Herr Roesler (Herbergsleiter DJH Coburg)

 

Bis ich mich anmelden konnte, schaute ich mir die Innenstadt von Coburg an und machte in einem Internetcafe Angaben zur meiner geographischen Position der Tour. Der Herbergsvater war sehr nett und hat auch positiv auf meine Aktion reagiert. Er ist auch der Meinung, dass in der Richtung etwas unternommen werden muss. Morgen möchte er mir einen Fahrradweg nach Bamberg erklären, den er selber mit Helfern ausgearbeitet hat. Eine Schulklasse aus Berlin war auf der Etage, wo auch ich untergebracht war. Eine Randale auf den Flur! Ich schickte die pubertierende Jugend nach 22.00 Uhr ins Bett. Die Nacht ist danach ruhig verlaufen
 


 

Coburg: Stadthaus am Marktplatz

 
15. Tag Coburg - Bamberg 56 km 23.04.2008
 
Das Einzelzimmer in der DJH war gut. Das Frühstück war in Ordnung und ich ließ mir vom Herbergsleiter Herrn Roesler den Radweg nach Bamberg erklären. Ich füllte meine Flaschen mit Wasser und machte mich auf zum vorgeschlagenen Radweg, der sich als sehr gute und ausgeschildert erwies. Meistens ging es am Flüsschen Itz und neben der B4 entlang bei bestem Wetter. Die Strecke führt ab und zu kreuz und quer über die Dörfer. Man hegt hier wohl die Hoffnung, dass der eine oder andere Radfahrer etwas konsumiert.
 


 

Fluss Itz

 
Die DJH in Bamberg liegt schön in einem Park, direkt am Mainkanal und dem Fluss Regnitz. Ich meldete mich an der Rezeption an und wurde von den Mitarbeitern sehr nett aufgenommen. Die Köchin plante mich auch für das Abendessen ein. Im Gespräch mit Ihr über Organspende stellte sie auch kritische Fragen und das fand ich gut. Es sollte Bratkartoffeln, Leberkäse und Salat geben. Bis zum Essen surfte ich im Internet und setzte meine Arbeit an meinem Reisebericht fort. Das Internet stand den Besuchern der DJH Bamberg kostenlos zur Verfügung. Die Plätze für das Abendessen waren reserviert und man setzte mich mit einem australischen Pärchen zusammen, die eine siebenmonatige Weltreise machte und in Bamberg eine Station einlegte. Sie kamen zuletzt aus Ägypten und wollten morgen nach München, anschließend nach Spanien, Portugal und in die USA einschl. Hawaii, um von dort aus wieder in die Nähe von Perth zu fliegen. Ich konnte auch meine Erfahrungen einbringen, die ich in Australien, Fiji, USA, Hawaii und Singapore mit meinen Freunden gemacht hatte, als ich noch nicht auf medizinische Betreuung angewiesen war.
Eines möchte ich an dieser bemerken: In Deutschland wird man meiner Meinung nach am besten medizinisch betreut. Diese Erfahrungen hatte ich auf meinen Reisen immer erlebt und bei der eigenen Bevölkerung dieser Länder auch gesehen.
Der Abend war ganz lustig, denn Schulklassen, die noch in der DJH untergebracht waren, veranstalteten Partys.
 


 

Bamberg-Bug

 
16. Tag Bamberg - Nürnberg 81 km 24.04.2008
 
Ich habe wieder sehr gut gefrühstückt. Das Zimmer war gut, aber zu den Waschräumen und Männertoiletten musste ich nachts des Öfteren von der zweiten Etage bis in den Keller laufen.
 

 

Fährmann an der Regnitz

 
Am nächsten Tag habe ich dann den direkten Weg nach Nürnberg genommen und bin nur den Donau-Main-Kanal entlang gefahren bin. Kurz vor Forchheim hat mich auf dem Kanaldamm ein Fahrradfernreisender überholt, dessen Fahrrad auch voll gepackt war. Er war von Lübeck gestartet und wollte nach Bozen. Da wir bis Kufstein die gleiche Route fahren wollten, beschlossen wir, gemeinsam bis Nürnberg gefahren und haben uns dort in der DJH Nürnberg einquartiert. Verner (nordischer Name) M. aus Hamburg, ist gelernter Orthpartiemechaniker, Masseur und Bademeister. Er möchte auf einem existenzgefährdeten Bio-Bauernhof für Kost und Logie arbeiten und nimmt sich dafür eine lange Auszeit. Von Bozen aus möchte einen neuen Start ins Leben wagen.

Bis Nürnberg hat er sich meiner Geschwindigkeit angepasst, obwohl er mit seinem Fahrrad schneller hätte fahren können, da er hatte schon längere Touren unternommen hatte. So war er war bereits schon mal mit dem Fahrrad quer durch Deutschland gefahren, hatte Dänemark umrundet und ist von seinem Heimatort aus nach Göteborg gefahren.

Wir haben uns auch über die Organspende unterhalten und er trägt ebedenfalls einen Organspendeausweis bei sich.
Nachdem wir uns in der DJH Nürnberg angemeldet hatten, brachten wir unsere Fahrräder in den Fahrradkeller und fuhren dann mit dem zur Verfügung gestellten Gepäckwagen per Aufzug in den siebten Stock der Burg. Zum Abendessen gab es Semmelklöße mit einer Pilzsoße.
In der Altstadt haben wir noch ein Bier getrunken, bevor wir uns dann in unser Turmzimmer der DJH Nürnberg zum Schlafen zurückgezogen haben. Von hier aus hatte man eine wunderschöne Aussicht über Nürnberg in der Abenddämmerung.
 


 

Nürnberg

 


 

Burg Nürnberg

 
17. Tag Nürnberg - Beilngries 84 km 25.04.2008
 
Ich habe erneut gut geschlafen, aber mein Zimmerkollege wurde wohl von meinen Gesprächen im Schlaf gestört.
In der DJH Nürnberg waren viele Schulklassen untergebracht, die wohl alle zur gleichen Zeit frühstücken wollten?! Daher verlief die Frühstücksausgabe schleppend, so dass eine Wartezeit von mindestens einer halben Stunde angesagt war.
Der Ärger hielt an, denn nachdem ich das Fahrrad aus dem Keller geholt hatte, bemerkte ich, dass man  mir den Hinterreifen durchgeschnitten hatte. Ich hatte es nur einen kurzen Moment neben der Eingangstür der DJH abgestellt. Natürlich ließ sich der Täter nicht finden.
Deshalb hat Verner M. entschieden, allein weiter zu fahren, weil nicht absehbar war, wann mein Fahrrad wieder fahrbereit sein würde. Fahrradfernfahrer sind meistens Einzelfahrer, weil sie gerne Entscheidungen alleine treffen und ihr eigenes Tempo fahren wollen. Wir haben uns kurz verabschiedet und würden uns evtl. in Kufstein wieder treffen zu können.
Der Herbergsvater in Nürnberg hat mir einen Fahrradladen empfohlen und mir diesen auf einer Karte markiert. Bei meiner Ankunft war der Werkstattmeister so nett und hat meine Reparatur vorgezogen, denn ich wollte noch ca. 90 km fahren und es war schon fast Mittag. Zum Glück hatten sie den gewünschten Reifen vorrätig. Bei der Gelegenheit ließ ich außerdem noch die Ritzelblätter reinigen und den Seitenständer reparieren, weil dieser dem hohen Gewicht des Gepäcks nicht mehr lange Stand gehalten hätte.
Ich fuhr dann erst um 12.30 Uhr weiter am von der Herbergsleitung empfohlenen Ludwig-Donau-Main Kanal entlang über Neumarkt bis Beilngries. Das war einer der angenehmsten Radwege, den ich bisher gefahren war.
 


 

Eine von den 100 Schleusen am Ludwig-Donau-Main Kanal

 
Kurz vor Beilngries machte ich Bekanntschaft mit einem Schäfer und seiner Herde, durch die ich vorsichtig mein Fahrrad schob.
In Beilngries hatte ich eine Unterkunft im Gasthaus Krone gefunden. Dort sagte man mir, ich sei der erste Fahrradtourist in diesem Jahr. Ich habe auch dort zu Abend gegessen. Mit 42 € war dies zwar meine teuerste Übernachtung auf meiner Reise, aber der Preis war für die Leistung völlig angemessen.
 


 

Kirche Beilngries

 
18. Tag Beilngries - Landshut 118 km 26.04.2008

Ich hatte wieder sehr gut gefrühstückt im Gasthof Krone in Beilngries. Die Dörfer im Altmühltal leben gut vom Fahrradtourismus. Im Sommer hat der Gasthof Krone 90% Auslastung durch Radfahrer, sagte man mir. Der Altmühl-Fahrradweg war besonders schön.
Ich wollte nicht nach Regensburg und änderte meine Route, mit dem direkten Ziel nach Landshut. Deswegen hatte ich in der DJH Regensburg meine Anmeldung storniert und dafür die DJH Landshut angerufen, ob es möglich sei, dass ich zwei Tage eher kommen könne. Diese bejahten mein Anliegen. Danach fuhr ich zunächst zum Bäcker, um mich mit Vorräten einzudecken. Dabei sprach mich ein Mann an, der mich fragte, wo ich hin wolle.
Er würde sich in ganz Bayern auskennen und kenne jeden Fahrradweg.
Er wollte, dass ich mich noch zu ihm setze und einen Kaffee tränke, dann würde er mir den Weg erklären wollen.
Da ich nach Landshut kein Kartenmaterial hatte, setzte ich mich gerne zu ihm.
Er bat mich, einen Zettel und Stift zu besorgen und er beschrieb mir von Beilngries bis nach Landshut jeden einzelnen Ort, den ich zu durchfahren hatte.
Das waren immerhin 118 km. Ich machte mir Notizen und wollte dann eigentlich los, aber er bedrängte, noch zu bleiben. Er war schon komisch, aber vielleicht wollte er nur reden. Auf jeden Fall hatte er mir den Weg, wie sich im Nachhinein rausstellte, jeden einzelnen Ort bis Landshut perfekt beschrieben.

Das Wetter war gut, ein wenig Rückenwind und ich wollte unbedingt bis Landshut durchradeln.
Ich fuhr erst den Donau-Main-Kanal entlang bis Kehlheim und weiter bis Saal, erst danach in südlicher Richtung über Hausen, Langquaid, Alzhausen, Rottenburg a. d. Laaber, Hohenthann, Ergolding und schließlich bis nach Landshut auf sehr verkehrsarmen Straßen.
Dort angekpmmen, besuchte ich die Altstadt, die von Besuchern an diesen Samstag fast überfüllt war. Eine farbenprächtige Altstadt.
Die DJH Landshut liegt oben auf einem Berg und man hat einen herrlichen Blick auf die Altstadt und die Martinskirche.

 


 

Riedenburg

 


 

entland des Main-Donau-Kanals

 


 

Schloss Prünn

 


 

Burg Randeck

 


 

Befreiungshalle Kehlheim

 


 

Schloss Landshut

 


 

Landshut Innenstadt

 
19. Tag Landshut-Wasserburg 74 km 27.04.2008
 
Das Frühstück war sehr bescheiden. Ich machte mich bei schönstem Wetter auf den weg in Richtung Wasserburg, leider mit Südwind. Einen Fernfahrradweg gab es nicht nach Wasserburg. So musste ich der B 15 nach Rosenheim folgen und auf einen Radwege hoffen. Es sind häufig links oder rechts von Bundesstrassen Fahrradwege vorhanden. Taufkirchen hatte den Vils-Radweg nach Dorfen. Es war hügelig bis Wasserburg. In Wasserburg angekommen war die Innenstadt bei dem herrlichen Wetter von Motorradfahrern und anderen unternehmungslustigen Besuchern überfüllt. Kein Platz in den Biergärten war mehr frei.
Auf den Kellerberg in Wasserburg bin ich bei dem preisgünstigen Huberwirt untergekommen. Leider musste ich dafür einen gewaltigen Anstieg zu der Pension im Kauf nehmen. Die Pension verfügt über eine Aussichts-Plattform, von der aus man einen schönen Ausblick auf den Inn und den Stadtkern hat. Dort habe ich noch im Restaurant zu Abend gegessen.
 


 

Wasserburg

 
20. Tag Wasserburg - Kufstein - Ebbs 70 km 28.04.2008
 
Der Huberwirt war heute Morgen sehr zuvorkommend und hat mir als erstem Radfahrer des Jahres fast alles an meinem Tisch gebracht. Er rechnet als Anlieger am Inn-Radweg pro Jahr mit über 500 Radfahrer-Übernachtungen.
Direkt neben der Pension verlief der Inn-Radweg, den ich dann stromaufwärts nach Kufstein gefahren bin. Die Fahrt auf der linken Seite des Inn stellte sich zu Anfang schwierig dar. Er war nicht richtig ausgeschildert. Erst als ich die Seite wechselte wurde es Richtung Rosenheim besser. Der Inntal-Radweg mit der Flora und der reichen Fauna in den Inn-Auen ist sehr sehenswert. Ich hatte zwar den ganzen Tag Gegenwind, aber es war sehr sonnig.
 


 

am Inn-Radweg

 
Gegen 15.00 Uhr erreichte ich mein Ziel in Ebbs. Mein Vater begrüßte mich bei meiner Ankunft und transportierte mein Fahrrad und mein Gepäck zu ihm nach Hause. Bei diesem schönen Wetter haben wir noch gegrillt. Ich blieb noch 2 Tage und er fuhr mich nach Halle zurück.
 


 


 
Fazit

Die Fahrradtour hat mir sehr viel Spaß gemacht. Das Wetter war zu Anfang regnerisch und kalt, aber überwiegend hatte ich keinen Gegenwind. Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich diese Herausforderung geschafft habe und würde mich sehr freuen bei einer nächsten von mir geplanten Fahrradtour, andere Transplantierte, die mit fahren möchten, an diesem Gefühl teilhaben zu lassen.
 
Auf meiner Reise hätte ich mir mehr Interesse der Bevölkerung gewünscht, als ich bei meinen Pausen und Stationen das Projekt erläuterte, gerade auch bei anderen Radfahrern. Aber zu dieser Jahreszeit waren noch nicht so viele Radfahrer unterwegs. Dagegen machte in den Herbergsleitungen der Deutschen Jugendherbergen positive Erfahrungen, denn die Resonanz meiner Aktion war gut. Ich hatte dort die Möglichkeit, mit den Lehrern und Schülern in Kontakt zu treten, um dieses Thema dort anzusprechen.

Ich hatte meinen Puls während meiner Reise immer kontrolliert und es stellte sich nach wenigen Tagen eine Ausdauerverbesserung ein, aber ich verlor 3kg Gewicht, obwohl ich eigentlich an Muskelmasse zunehmen wollte. Mein Blutdruck ist 3 Wochen nach meiner Tour mit 120/80 mmHg noch immer sehr gut eingestellt.
Die zu Anfang heftigen Knieschmerzen stellten sich am Ende der Tour wieder ein.

Nach der Veröffentlichung meines Berichtes erhoffe ich mir interessierte Leser, die zu der Verbesserung der Organspendebereitschaft etwas beitragen wollen.

Ich bedanke mich bei allen Sponsoren und meinem Arbeitgeber, die diese Fahrradtour erst möglich gemacht haben.
Ich würde gerne solch eine Aktion 2009 wiederholen, dann mit einer neuen Strecke.


Kontaktadresse:

Engelbert Eising

Georg-Cantor-Str. 33

06108 Halle

Tel.: (0345) 1712358

E-Mail: e-eising@web.de

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